Ein gepflegter Hund braucht nicht unbedingt einen Termin beim Hundefriseur für jede Kleinigkeit. Mit den richtigen Werkzeugen, etwas Geduld und einer passenden Routine lässt sich vieles zuhause erledigen. In meinen 19 Jahren als Tiermedizinische Fachangestellte und sechs Jahren mit meinem eigenen Pflege- und Betreuungsservice habe ich gelernt, dass regelmäßige, sanfte Pflege wichtiger ist als ein perfektes Aussehen. Heute bin ich nicht mehr klinisch tätig; meine praktische Erfahrung ersetzt deshalb keine aktuelle tierärztliche Beratung.
Ob langes Fell, empfindliche Ohren oder raue Pfoten: Ich zeige dir, worauf ich bei der Hundepflege zuhause achten würde und wann ich lieber eine professionelle Fachperson hinzuziehe. Gerade bei älteren Hunden lohnt es sich, die Pflegeroutine an ihre Beweglichkeit und Belastbarkeit anzupassen.
Das brauchst du für die Hundepflege
- Eine Bürste und einen Kamm passend zum Felltyp
- Hundeshampoo für notwendige Bäder
- Eine Hundezahnbürste und Hundezahnpasta
- Geeignete Pflegeprodukte für Ohren und Augen
- Eine Krallenschere für Hunde, sofern du sicher damit umgehen kannst
- Ein weiches Handtuch und kleine Belohnungen
Regelmäßiges Bürsten für ein gesundes Fell

Wenn ich mit der Fellpflege beginne, schaue ich zuerst auf die Fellstruktur. Ein kurzhaariger Hund braucht meist weniger Aufwand als ein langhaariger Hund oder ein Hund mit dichtem, lockigem Fell. Langhaarige Rassen profitieren häufig von täglichem Bürsten, während bei vielen kurzhaarigen Hunden eine wöchentliche Pflege ausreicht. Die genaue Häufigkeit hängt vom einzelnen Hund ab.
Ich arbeite mit einer passenden Bürste für den Felltyp und gehe in kleinen Abschnitten vor. Bei Skye, meinem zwölfjährigen Border Collie, achte ich besonders darauf, empfindliche Stellen nicht unnötig lange zu bearbeiten. Gerade während des Fellwechsels im Frühjahr und Herbst kann zusätzliches Bürsten sinnvoll sein.
- Fell untersuchen. Suche nach Knoten, Schmutz, Zecken und Hautveränderungen.
- Sanft bürsten. Arbeite mit ruhigen Bewegungen und ohne an den Haaren zu ziehen.
- Problemstellen beachten. Hinter den Ohren, an den Achseln und unter dem Halsband entstehen leicht Verfilzungen.
- Rechtzeitig aufhören. Wird die Haut rot oder zeigt dein Hund Schmerzen, unterbrich die Pflege.
Verfilzungen nicht gewaltsam lösen
Bei dicht verfilztem Fell lasse ich einen erfahrenen Hundefriseur ran. Scheren dicht an der Haut kann zu Verletzungen führen, und starkes Ziehen tut weh. Doppelfell sollte nicht einfach zur vermeintlichen Kühlung abgeschoren werden.Fell und Haut richtig pflegen

Ein Hund muss nicht jede Woche gebadet werden. Ich bade nur, wenn das Fell wirklich schmutzig ist oder ein konkreter Pflegegrund besteht. Bei leichter Verschmutzung reicht oft lauwarmes Wasser. Für ein vollständiges Bad verwende ich ausschließlich Hundeshampoo, denn menschliche Shampoos können die Haut reizen. Hunde mit einer Hauterkrankung benötigen eine individuell abgestimmte Empfehlung der Tierarztpraxis.
Vor dem Waschen kontrolliere ich das Fell auf Knoten. Wasser kann manche Verfilzungen verschlimmern, besonders bei lockigen oder dicht behaarten Hunden. Während des Badens achte ich darauf, Augen und Gehörgänge zu schützen. Anschließend spüle ich das Shampoo gründlich aus und trockne das Fell mit einem Handtuch, ohne kräftig zu rubbeln.
- Fell vor dem Baden auf Knoten untersuchen
- Hundeshampoo passend zum Pflegebedarf auswählen
- Shampoo gründlich ausspülen
- Fell und Haut sorgfältig trocknen
- Auf Rötungen, Schuppen, kahle Stellen und starken Juckreiz achten
Wann ich zum Tierarzt gehe: Bei anhaltendem Juckreiz, nässenden Hautstellen, deutlichem Haarausfall oder unangenehmem Hautgeruch vereinbare ich einen Termin. Solche Veränderungen sollte man nicht einfach mit häufigeren Bädern behandeln.
Ohren kontrollieren und reinigen

Bei der täglichen Pflege werfe ich auch einen Blick auf die Ohren. Gesunde Ohren müssen nicht nach einem festen Zeitplan gründlich gereinigt werden. Ich entferne sichtbaren Schmutz nur bei Bedarf und verwende dafür ein geeignetes Ohrreinigungsmittel für Hunde, sofern es für meinen Hund passend ist. Alkohol, Wasserstoffperoxid und Wattestäbchen im Gehörgang gehören nicht zu meiner Pflegeroutine.
Besonders aufmerksam werde ich, wenn ein Hund häufig den Kopf schüttelt, sich an den Ohren kratzt oder die Ohren unangenehm riechen. Auch Rötungen, ungewöhnlich viel Ohrenschmalz und Schmerzen beim Berühren können auf ein Problem hinweisen. In solchen Fällen lasse ich die Ursache tierärztlich abklären, statt selbst mit verschiedenen Reinigern zu experimentieren.
Mein Pflegetipp
Hebe die Ohrmuschel vorsichtig an und betrachte nur den sichtbaren Bereich. Ist das Ohr sauber und geruchlos, musst du nicht weiter reinigen. Zu häufiges Säubern kann ebenfalls reizen.Dringlichkeit: Bei Schmerzen, deutlicher Schwellung, blutigem Ausfluss oder ausgeprägter Kopfschiefhaltung rufe ich noch am selben Tag in der Tierarztpraxis an. Bei plötzlich auftretenden schweren Gleichgewichtsstörungen oder anderen akuten neurologischen Auffälligkeiten ist eine sofortige tierärztliche Beurteilung nötig.
Krallen regelmäßig kürzen

Zu lange Krallen können hängen bleiben, einreißen und das Gehen unangenehm machen. Manche Hunde laufen ihre Krallen auf festen Untergründen ausreichend ab, andere brauchen zusätzliche Pflege. Ich kontrolliere deshalb regelmäßig, ob die Krallen beim Stehen den Boden berühren oder beim Laufen auffällig auf harten Böden klicken. Regelmäßige Kontrolle ist sinnvoller als ein starrer Zeitplan.
Zum Kürzen verwende ich eine Krallenschere für Hunde und nehme nur sehr kleine Stücke ab. Im Inneren der Kralle verlaufen Blutgefäße und Nerven, die sogenannte Leben. Bei hellen Krallen ist dieser Bereich oft besser zu erkennen als bei dunklen. Wenn ich die Grenze nicht sicher beurteilen kann, lasse ich mir das Kürzen von einer Tierärztin, einem Tierarzt oder einem erfahrenen Hundefriseur zeigen.
- Pfote prüfen. Kontrolliere alle Krallen einschließlich der Afterkrallen.
- Werkzeug bereitlegen. Verwende eine geeignete, scharfe Krallenschere für Hunde.
- Nur die Spitze kürzen. Arbeite in kleinen Schritten und halte Abstand zur Leben.
- Bei Unsicherheit stoppen. Dunkle Krallen und unruhige Hunde sind gute Gründe, Hilfe zu holen.
Bei schmerzhaften Krallen nicht selbst schneiden
Wenn eine Kralle eingerissen ist, blutet oder in den Ballen wächst, sollte sie tierärztlich untersucht werden. Bei anhaltender Blutung rufe ich sofort in der Praxis an und befolge deren Anweisungen.Zähne sauber halten

Mundgeruch ist nicht einfach eine unvermeidbare Begleiterscheinung des Hundelebens. Zahnbelag kann sich verhärten und Zahnfleischentzündungen sowie Zahnerkrankungen begünstigen. Deshalb gehört die Zahnpflege für mich zur normalen Gesundheitsroutine. Tägliches Zähneputzen ist eine der wirksamsten Möglichkeiten, Plaque zu reduzieren.
Ich verwende eine weiche Hundezahnbürste und spezielle Hundezahnpasta. Zahnpasta für Menschen ist ungeeignet und kann unter anderem Xylit enthalten, das für Hunde giftig ist. Wenn dein Hund das Putzen noch nicht kennt, beginne ich mit kurzen, ruhigen Einheiten und steigere die Dauer langsam. Die Außenseiten der Zähne sind ein guter Anfang.
- Hundezahnpasta und eine weiche Bürste bereitlegen
- Den Hund schrittweise an die Berührung am Fang gewöhnen
- Mit wenigen Zähnen beginnen und behutsam weitermachen
- Die Zahnpflege möglichst täglich wiederholen
- Mundgeruch, gerötetes Zahnfleisch und Schwierigkeiten beim Fressen beachten
Wenn ich braune, harte Beläge, Zahnfleischbluten, starken Mundgeruch oder Schmerzen beim Fressen bemerke, vereinbare ich einen Termin beim Tierarzt. Vorhandener Zahnstein lässt sich durch Bürsten allein normalerweise nicht ausreichend entfernen und braucht eine fachliche Beurteilung.
Augen sanft reinigen

Leichte Verschmutzungen am Augenwinkel lassen sich häufig vorsichtig zuhause entfernen. Ich nehme dafür ein sauberes, weiches, fusselfreies Tuch, das ich mit lauwarmem Wasser anfeuchte. Damit wische ich nur über das Fell neben dem Auge und vermeide Druck auf den Augapfel. Für jedes Auge verwende ich eine saubere Tuchstelle, damit ich Schmutz nicht von einer Seite auf die andere übertrage.
Wichtig ist mir, zwischen normaler Verschmutzung und einer möglichen Augenerkrankung zu unterscheiden. Rötung, Schwellung, eitriger Ausfluss, Trübung oder häufiges Zukneifen sind keine Probleme, die ich einfach wegwische. Die PDSA empfiehlt, Augenveränderungen tierärztlich untersuchen zu lassen, weil unbehandelte Erkrankungen schmerzhaft werden und das Sehvermögen gefährden können.
Augenverletzungen sind ein Notfall
Bei einer Verletzung des Auges, plötzlich starken Schmerzen, einem hervortretenden Auge oder einer deutlichen akuten Sehbeeinträchtigung suche ich sofort tierärztliche Hilfe. Ich gebe keine Augentropfen auf eigene Faust und warte nicht bis zum nächsten Tag.Bei wiederkehrenden Tränenspuren oder häufig feuchten Augen vereinbare ich einen Termin, statt ständig neue Reinigungsprodukte auszuprobieren. Sanfte äußere Reinigung ist Pflege, aber kein Ersatz für die Abklärung der Ursache.
Pfoten pflegen und schützen

Pfoten bekommen bei der Pflege leicht zu wenig Aufmerksamkeit. Dabei sammeln sich zwischen den Zehen Schlamm, kleine Steinchen und im Winter Streusalz. Nach einem Spaziergang kontrolliere ich die Ballen und Zwischenräume und spüle Verschmutzungen bei Bedarf mit lauwarmem Wasser ab. Anschließend trockne ich die Pfoten gründlich, besonders zwischen den Zehen. Regelmäßige Pfotenkontrollen helfen mir, kleine Probleme früh zu entdecken.
Bei trockenen Ballen kann ein für Hunde geeigneter Pfotenbalsam sinnvoll sein. Er sollte zum jeweiligen Pflegebedarf passen und nicht dazu führen, dass der Hund größere Mengen ableckt. Im Winter entferne ich Salz und Streugut möglichst bald. Im Sommer achte ich darauf, dass heißer Asphalt die Ballen nicht verbrennen kann. Ältere Hunde mit eingeschränkter Beweglichkeit kontrolliere ich besonders sorgfältig, weil sie sich manchmal weniger gut selbst pflegen können.
- Nach dem Spaziergang: Ballen, Krallen und Zwischenräume auf Fremdkörper und Verletzungen prüfen.
- Im Winter: Streusalz abspülen und die Pfoten trocken tupfen.
- Im Sommer: Heiße Wege meiden und bei Unsicherheit die Temperatur des Untergrunds prüfen.
- Bei Verletzungen: Bei tiefen Schnitten, deutlicher Schwellung, starken Schmerzen oder anhaltender Blutung tierärztliche Hilfe holen.
Wenn mein Hund plötzlich stark hinkt, eine Pfote nicht belasten kann oder ein Fremdkörper tief im Ballen steckt, versuche ich nicht, das Problem mit Balsam zu lösen. Akute Schmerzen gehören abgeklärt; bei schweren Verletzungen fahre ich sofort in eine Tierarztpraxis oder einen tierärztlichen Notdienst.
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